PER-SONAT PROGRAMME 2015/2016


1. Weltliche Programme


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FUNDSACHE

Walther von der Vogelweide

Lieder von Macht & Liebe

Sangspruch & Minnesang


Es gibt wohl kaum einen besseren Repräsentanten der mittelalterlichen Lyrik, der die Passion als Motto seiner hohen Kunst so verinnerlicht hat wie Walther von der Vogelweide. Er gilt als einer der bedeutendsten Lyriker des Mittelalters. In einer Zeit, die in allen ihren Lebensformen von kirchlichen Dogmen und ständisch-hierarchischen Strukturen geprägt war, erscheint er als einer der unabhängigsten, unkonventionellsten, auch unruhigsten und streitbarsten Geister. Dies und sein künstlerisches Niveau erregten schon zu seinen Lebzeiten Aufsehen. Person und Werk blieben lange nach seinem Tode als vorbildhaft lebendig, ehe sie schließlich zur Legende und zum Mythos wurden. In seinen Klagen über das Reich, die Welt und die Kirche, die er im Reichston besingt, kritisiert er meist im Namen seiner Gönner in der Öffentlichkeit die Herrscher seiner Zeit. Fürsten, Könige, Papst und Klerus werden angeprangert und ermahnt. Seine Liebeslieder, von Sehnsucht getrieben, fordern gegenseitige Liebe und Aufrichtigkeit.

Die Findung der Melodien für Walthers Gedichte ist äußerst spannend. Da uns außer dem Palästinalied und ein paar Sangspruchmelodien und Fragmente aus späterer Zeit keine weiteren Melodien Walthers überliefert sind, haben wir nach Praxis der Sänger im Mittelalter die Gedichte Walters teils auf die Melodien seiner Zeitgenossen unterlegt, Fragmente ergänzt  und einige Melodien neu komponiert im Stil der Zeit. Der deutsche Sangspruch als eine der wichtigsten Überlieferungstradition fungiert hierzu als Schlüsselfunktion zwischen Historie und lebendiger Aufführungspraxis. Die Quellen reichen vom 13. Jahrhundert bis in den Meistersang.


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vier Jahreszeiten

Lieder des Mittelalters zu Lebenslust und Vergänglichkeit von Walter von der Vogelweide, Oswald von Wolkenstein, Neidhart, Frauenlob u.a.

aus deutschen Quellen des 14./15. Jahrhunderts


Der prächtige Codex Manesse, auch Große Heidelberger Liederhandschrift genannt, ist die umfangreichste und bekannteste Liederhandschrift des deutschen Mittelalters. Er repräsentiert die Gattung der Liebeslyrik, weithin als Minnesang bekannt. Jeder Dichter wird in kunstvoll gemalten Miniaturen idealisiert dargestellt. Für unser Programm "Vier Jahreszeiten" enthält der Codex zwar eine umfangreiche Sammlung von Gedichten und Texten, doch leider keine Melodien. Für die Unterlegten Melodien dienen uns Rekonstruktionen aus der Musikwissenschaft und eigene Kompositionen. 

Während in der Minnelyrik von der Liebe die Rede ist betrachten die Dichter im Spruchsang Macht, Ungerechtigkeit und philosophische Themen. Hierfür haben wir Handschriften mit Melodien aus der Jenaer Liederhandschrift, der Kolmarer Liederhandschrift neben anderen ausgewählt. Sänger wie Walther von der Vogelweide, Oswald von Wolkenstein oder Heinrich von Meißen auch Frauenlob genannt sind in beiden Gattungen hervorragende Repräsentanten der mittelalterlichen Dichtkunst und gelten als darin als wahre Meister. Oswald von Wolkenstein ließ selbst zwei Pergamenthandschriften seiner Lieder anfertigen, die heute in Wien und Innsbruck aufbewahrt werden.

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Frühlingsfieber, Sommerhitze, Herbstmond, und meine Neujahrfeier


Was die Minnelyrik im besonderen angeht, beginnt sie fast immer mit einer Naturbeschreibung. Die jahreszeitlichen Stimmungen setzen sich in der geistigen und emotionalen Haltung der Protagonisten der Lieder fort. Den Frühling, in dem die Natur aus einem langen, beschwerlichen und kalten Winter erwacht, preisen die Minnesänger in unzähligen Liedern. Diese Jahreszeit steht als Synonym für die Jugend und das Verliebtsein. Der Sommer bringt Lust und Leidenschaft. Walthers berühmtes Mädchenlied "Unter der Linden" lässt das Mädchen selbst sprechen und die geheime Begegnung mit ihrem Liebhaber beschreiben, der ihr aus Rosenblättern ein Lager bereitet hat. Oswald von Wolkenstein preist dagegen den Herbst und erzählt vom Wein, vom gutem Essen und der Üppigkeit des Lebens. Neidhart schließlich klagt über die Kälte des Winters und das Absterben der Natur in dieser Jahreszeit als Metapher für das Vergängliche des Lebens. Davon erzählen zahlreiche Abschiedslieder und Alterslieder voller Sehnsucht und Melancholie.


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Le Roman de Fauvel

Eine Satire über Gesellschaft, Kirche und Staat in Frankreich

mit Musik der Ars antiqua und Ars nova


In dieser Dichtung wird die Geschichte des Fauvel, einem Esel, der mit Hilfe von Fortune zum mächtigsten Herrscher wird, in Liedern erzählt. Zu Fauvel pilgern Papst und Könige, um ihm zu schmeicheln. Die Welt, über die Fauvel herrscht, ist auf den Kopf gestellt. Der König steht über dem Papst, die Frauen über den Männern, die Armen werden zu den Reichen und der Mond gibt der Sonne ihr Licht. Die Zeit des Antichrist scheint angebrochen und der Weltuntergang nahe. Wie auch im Rosenroman treten alle Leidenschaften und Laster allegorisch als Personen auf, die auf diese Weise handeln und miteinander kommunizieren. Der Name Fauvel, ein Akrostichon, ergibt sich aus den verschiedenen Lastern.


Der Roman selbst, eine französische Versdichtung des 14. Jh., wird dem Notar Gervès du Bus, der am Pariser Königshof tätig war, zugeschrieben. Überlieft ist uns dieser Roman in dreizehn Handschriften des 14. und 15. Jahrhunderts. Im Gegensatz zum Roman de La Rose enthält er ein großes Oeuvre an französischer und lateinischer Musik der Ars Antiqua und Ars Nova, der mehrstimmigen Musik des 13./14. Jahrhunderts in Frankreich. Philippe de Vitry und andere Komponisten im Umkreis der Universität in Paris vertonten den Roman in Lays, Rondeaux, Virelais und Balades, den neuesten Gattungen ihrer Zeit. Diese weithin vergessene Dichtung wird in einer neu bearbeiteten, authentischen Fassung zum ersten Mal seit langer Zeit wieder aufgeführt.


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Mer AmÈre

Französische Musik des 15. Jahrhunderts aus dem Zypern Codex

Lieder zur Verehrung Marias, der Schutzpatronin der Seefahrer

und sehnsüchtige Liebeslieder


Der Titel unseres Programmes „Mer amère“ (Bitteres Meer) bezieht sich zum einen auf die Anbetung der Gottesmutter Maria als Schutzpatronin der Seefahrer, die auf den Kreuzzügen ins heilige Land oder auf ihren Handelswegen auf See um Beistand bitten. In zahlreichen Liedern wird Maria als Stella Maris oder Stella Matutina, als Meeres- oder Morgenstern, bezeichnet.

„Mer amère“ steht aber zugleich für die bitteren Tränen und Schmerzen des Verliebten, der durch Amor, dem Liebesgott, mit den goldenen und schwarzen Pfeilen verwundet klagt. Die kunstvollen Balladen aus dem Zypern-Codex erzählen von dem gleichzeitig sehnsüchtigen wie vor Liebe verzehrenden Zustand.


Der Zypern Codex, im 15. Jh. für König Janus von Zypern geschrieben, repräsentiert Musik unter dem Einfluss der französischen und italienischen Ars Subtilior. Der experimentelle Stil der Ars obscura verrät eine Neigung zur rhythmischen und harmonischen Komplexität und ist zutiefst durch das Œuvre von Guillaume de Machaut beeinflusst. Die Familie der Lusignan brachte die französische Kultur auf die Insel und regierte Zypern zwischen 1192 und 1489. Die künstlerische Entwicklung ihrer Kultur in diesen  drei Jahrhunderten wurde in  ganz Europa bewundert. Aus dieser kostbaren Sammlung haben wir die schönsten Marienlieder und Liebeslieder ausgewählt.


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Besetzung der weltlichen Programme


Sabine Lutzenberger, Sopran

Tobie Miller, mittelalterliche Blockflöten, Drehleier

Elisabeth Rumsey, Fidel

Baptiste, Romain, Fidel, Dudelsack

* Marc Lewon, Tenor, Laute (VIER JAHRESZEITEN)


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2. Geistliche Programme


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IM ZEICHEn DES LAMMES

Geistliche Musik von Guillaume Du Fay und seinen Zeitgenossen


Guillaume Du Fay (ca. um1397-1474) war flämischer Komponist, Sänger und Musiktheoretiker. Er erhielt seine Ausbildung als Chorknabe an der Kathedralschule von Cambrai in Frankreich. Sein musikalischer Weg führte ihn wie viele Komponisten nach Italien. Dort erhielt er Anstellungen an verschiedenen Höfen in Rimini, Bologna, Florenz und Rom. Seine letzten Jahre verbrachte er wieder in Cambrai. Die große Beliebtheit und der Ruhm seiner Kompositionen lassen sich vor allem aus der Häufigkeit der Abschriften folgern. Seine Kompositionen stellen eine Verbindung zwischen zwei Epochen dar. Du Fays frühe Werke sind dem ausgehenden Mittelalter noch stark verbunden, während seine späteren in Bezug auf Kompositionstechnik und Inhalt schon der beginnenden Renaissance angehören.

Im Fokus dieses Programms steht sein Zyklus mit Hymnen und Sequenzen, den er vermutlich während seiner Anstellungszeit an der päpstlichen Kapelle in Rom komponierte. Sie erklangen zu den Hochfesten der christlichen Liturgie zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Im 15. Jahrhundert erlebt die Sequenz eine „Renaissance“. Guillaume Du Fay komponiert seine Hymnen und Sequenzen dreistimmig und in Fauxbourdon-Verfahren und in „Alternatim Praxis“ (Wechselgesang). So beginnt die Sequenz meist mit dem ursprünglichen gregorianischen, einstimmigen Versikel, die vom zweiten Chor in mehrstimmiger Art beantwortet wird.

Historisch blieben nach dem Trienter  Konzil nur fünf alte Sequenzen in Gebrauch („Victimae pascalis“, „Lauda Sion“, „Veni sancte spriritus“, „Dies irae“ und „Stabat mater“. Darunter ist die Ostersequenz „Victimae pascali“ die älteste. Sie stammt von dem alemannischen Sequenzdichter Wipo aus dem 11. Jahrhundert und ihre Lebenskraft war noch im 16. Jahrhundert ungebrochen.


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Himmlische Harmonie -

der Reine Klang im Mittelalter und der Renaissance

Guillaume de Machaut,  Messe de Notre Dame,

Antoine Brumel Messe "Victime pascali laudes"


Konsonanz oder Dissonanz?


Unser Programm ist musikhistorisch von großem Interesse, indem es die Veränderung der Hörästhetik am Übergang von Mittelalter zur Renaissance beleuchtet. Die hier aufgeführte "Messe de Notre Dame" von Guillaume de Machaut  ist geprägt vom perfektem mittelalterlichen Denken, der Reinheit von Oktaven und Quinten.  Hingegen verlangt Brumels Messe "Victime Pascali laudes" eindeutig die Terzen als Konsonanzen. Daneben erklingt Instrumentalmusik auf dem Instrumentarium zweier Epochen.



Ein Stimmungssystem wird erfunden, wird ungenügend und abgelöst. Was als dissonant galt wird konsonant. So war das Stimmsystem des Pythagoras im Mittelalter vollkommen: ausgerichtet auf reine Quinten war es für den Choral und die frühe Mehrstimmigkeit konzipiert. Zusammenklänge von Quinten, Quarten und Oktaven bildeten die Säulen im architektonischen Bau einer Komposition. Die Reinheit dieser Intervalle bildeten die Einheit mit dem Kosmos, der kirchlichen Geisteshaltung sowie der Architektur. Sie  entsprach der himmlischen Harmonie. Die Terz jedoch war von ihren Schwingungsverhältnissen dissonant und wurde als imperfekt betrachtet. Im Bau einer Melodie oder eines Kontrapunktes fungierte sie eher flüchtig, variabel und spannungsreich für das Gerüst der Komposition.

Jedoch veränderte sich die Musik in Bezug auf Stimmenanzahl und Satztechnik. Die Terz bekam mehr Bedeutung und wurde zu einer Konsonanz. Schon 1430 gab es neue Wege, pythagoräisch zu stimmen und gewisse Terzen im System zu begünstigen. (Arnold de Zwolle, Orgelbautrakat, Dijon ~1430) Der Übergang zur Terz als Konsonanz vollzieht sich im späten 15. Jahrhundert. Das mitteltönige System entstand im Grunde mit der Vierstimmigkeit der Vokalmusik und somit mit der Suche nach weiteren Konsonanzen im Kontrapunkt. Das System basiert auf reinen Terzen und entspricht den reinen Terzen in der Obertonreihe.


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AN DIE GÖTTER UND MÄRTYRER

Hymnen der Spätantike und des frühen Christentums


Rom – Zentrum des antiken Weltreiches und Sitz des Christentums. Keine andere Stadt besaß in der Antike und der Zeit des frühen Christentums eine vergleichbare Bedeutung. Erst mit dem Ausbau Byzantiums unter Kaiser Konstantin, das ab 330 unter dem Namen „Konstantinopel“ neuer Sitz des Kaisers wurde, ist die Teilung in eine westliche und östliche Hälfte des römischen Reiches vorbereitet. Das Mailänder Toleranzedikt von 313, das den Christen Religionsfreiheit gewährt, bewirkt eine rasche Ausbreitung des Christentums.


Unser Konzert spürt diesen bewegten Zeiten nach und sucht nach frühesten schriftlich überlieferten Zeugnissen der Musik aus der römischen Kaiserzeit und dem Beginn des Christentums. Aus spätantiker Zeit sind uns aus dem 2. Jahrhundert sind "Hymnen" des Mesomedes, eines griechischen Dichters und Sängers am Hofe Kaiser Hadrians in Rom, überliefert. Sein berühmtes Seikilos-Lied ist auf einer Stele mit Musiknotation eingemeißelt. Eines der wenigen überlieferten Beispiele frühchristlicher Musik ist der Hymnus aus Oxyrhynchos aus dem 3. Jahrhundert, der auf einem Papyrusframgment erhalten blieb. Diese Gesänge wurden in griechischer Sprache mit griechischer Buchstabennotation aufgezeichnet.


Die frühesten Textquellen über die Rhetorik und das Rezitieren liturgischer Texte finden sich bereits um das Jahr 180 nach Christus. Diese Texte und Gebete sind ein wichtiges Medium für den kultischen, religiösen Gesang und für die Verkündigung und Darlegung sakraler Ausdruckswerte. Die liturgische Musik der römisch-katholischen Kirche im 4.  Jahrhundert verbindet sich mit  Ambrosius von Mailand (340 – 397), der in Trier geboren wurde und in Rom studierte. Seine in einfachen metrischen Strukturen gehaltenen Hymnen waren äußerst populär und gaben dem frühen Christentum wichtige musikalische Impulse. Die berühmte Mönchsregel des Hl. Benedikt aus dem 6. Jahrhundert nahm die Ambrosianischen Hymnen in die Stundengebete auf, wo sie bis heute ihren festen Platz haben.


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Besetzung der geistlichen Programme


Sabine Lutzenberger, Sopran

Tobie Miller, mittelalterliche Blockflöten, Drehleier

Elisabeth Rumsey, Fidel

Baptiste, Romain, Fidel, Dudelsack

Bernd Oliver Fröhlich, Tenor

Raitis Grigalis, Bariton

Guillaume Olry, Bass

* Giovanni Cantarini, Bariton (An die Götter und Märtyrer)



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REPERTOIRE

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LE ROMAN DE LA ROSE

geschrieben von Guillaume de Lorris

Liebeslieder zum Rosenroman, Frankreich 13. - 14. Jh.


PER-SONAT

Sabine Lutzenberger - Mezzosopran

Baptiste Romain – Fidel, Dudelsack

Tobie Miller - Drehleier, mittelalterliche Blockflöten

Elisabeth Rumsey – Fidel


Der „Roman de la Rose“, aus dem 13. Jahrhundert, ist ein auf Altfranzösisch verfasster Versroman über die  Liebe und die höfische Gesellschaft. Er gilt als ein zentrales Werk der mittelalterlichen französischen Literatur und zählt mehr als drei Jahrhunderte hindurch zu den meist gelesenen und entsprechend oft kopierten Büchern der profanen französischen Dichtung, ist also, salopp gesprochen, ein Bestseller. Als solcher inspirierte er über 200 Jahre Dichtermusiker, die sog. Trouvéres, ebenso die Komponisten der „ars nova“ mit Guillaume de Machaut an der Spitze sowie die Komponisten der „ars subtilior“.


Guillaume de Machaut schuf dazu Balladen, Rondeaus und Virelais, in denen die Tugenden und Laster des Rosenromans zum Zuhörer sprechen. Seine Musik verleiht der Dichtung eine außergewöhnliche Individualität. Allegorien, Gefühle, die zu Personen erwachen und in subtilster Weise charakterisiert sind, agieren auf dem Schauplatz der Innenwelten eines Menschen. Diese Errungenschaft ist die Faszination des Rosenromans. 

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PARIS um 1200

Ein Spiegel philosophischer Reform und religiöser Tradition


PER-SONAT

Sabine Lutzenberger – Stimme, Mittelalterflöte

Miriam Andersén – Stimme, Mittelalterharfe

Felix Stricker –Zugtrompete


In diesem Programm stehen sich die kunstvolle mehrstimmige Musik an der Kathedrale Notre Dame in Paris des 12. und 13. Jahrhunderts sowie die französische, höfische Musik und die traditionelle einstimmige Choralpraxis der Zisterzienser gegenüber. Die kompositorischen Vermischungen von religiöser und profaner Dichtung und Musik spiegelt Umbrüche in Theologie, Philosophie und Politik wider. Der Welt den Rücken zu kehren und zu Askese und Armut zurückzukehren, ist die eine Strömung, die vorbereitende Aufklärung, das „sich nach Außen wenden“, die andere.

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KULT

Lieder des Mittelalters zur Verehrung der Heiligen


Kassia, 9. Jh. Byzanz 

Hildegard von Bingen, 12 Jh. Rheinland 

Marienlieder  der Trouvères, 13. Jh. Frankreich


PER-SONAT

Sabine Lutzenberger – Mezzosopran

Tobie Miller – Sopran, Drehleier, mittelalterliche Blockflöten

Baptiste Romain - Fidel


Unser Programm portraitiert zunächst Kassia, eine byzantinische Äbtissin und Komponistin aus dem 9. Jh., die in ihrer Tradition des griechisch-orthodoxen Choralgesangs eigene Texte vertont. Hymnen sind ein wesentlicher Teil des Heiligenkultes in Byzanz. In der spätbyzantinischen Zeit existieren bereits Hymnen auf die wichtigsten Heiligenfeste eines jeden Tages im Jahreszyklus, die in den Menaia überliefert sind.


Daneben steht die Benediktiner Äbtissin und Komponistin Hildegard von Bingen des 12. Jahrhunderts. Ihre mystischen Gesänge sprengen in Hinsicht auf Emotionalität und musikalische Formen die Grenzen des gregorianischen Chorals. Ihre persönliche Beziehung zu Gott als Mystikerin ist überschwänglich, erotisch und voll absoluter Freude.


Die Trouvères, die französischen Minnesänger, schreiben nicht nur höfische Kanzonen für die unerreichbare Schöne, wie allgemein bekannt, sie widmen, weit weniger bekannt, ihre Liebeslieder ebenso der Gottesmutter Maria. Faszinierend dabei ist, dass die Anbetung Marias ebenso leidenschaftlich gestaltet wird wie die Anbetung der begehrten Dame und wir dies in unserem Programm auch getreu zum Ausdruck bringen möchten.

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DAS AUGSBURGER LIEDERBUCH

Vokal- und Tanzmusik aus der Zeit Kaiser Maximilians I.


PER-SONAT

Sabine Lutzenberger, Sopran
Achim Schulz, Tenor
Tim Scott Whiteley, Bass
Tobie Miller, Blockflöte
Elizabeth Rumsey, Renaissance-Viola da Gamba
Baptiste Romain, Renaissance-Fiedel, Renaissance-Violine
Tore Eketorp, Renaissance-Viola da Gamba



Das Augsburger Liederbuch bietet einen umfassenden Überblick über die süddeutsche Musikpflege des frühen 16. Jahrhunderts und spiegelt die Breite des Repertoires und die Fülle des Augsburger Musiklebens in dieser Zeit wider. Die umfangreiche Handschrift wurde etwa zwischen 1505 und 1518 in den Kreisen des Augsburger Bürgertums von mehreren Schreibern angefertigt. Als Komponisten sind in der Handschrift Josquin Desprez und Alexander Agricola genannt, zum Teil mit nur hier überlieferten Werken. Nachweisen lassen sich ferner Paul Hofhaimer, Heinrich Finck, Ludwig Senfl und Jacob Obrecht. Daneben finden sich auch zahlreiche Werke anonymer Komponisten, darunter vielerlei Tanzmusik.


Seit seiner Gründung 2008 stellt sich das international besetzte Ensemble PER-SONAT die Aufgabe, die Musik des Mittelalters bis hin zur Renaissance zu erforschen. Der Schwerpunkt des Ensembles liegt bei allen Aufführungen und Besetzungen auf einer an den Originalquellen orientierten Interpretation. Mit einer vitalen Interpretation verschiedener Lied- und Tanzsätze dem Augsburger Liederbuch gastierte das Ensemble zuletzt in Regensburg in einer Besetzung von drei Sängern und vier Instrumentalisten.

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Hymnus an die himmlischen Heerscharen


Ambrosius von Mailand

Das Stundenbuch der frühen Christen

Hymnen und Psalmen aus dem frühchristlichen Byzanz und Rom


Ensemble PER-SONAT

Sabine Lutzenberger - Sopran

Tobie Miller – Drehleier, mittelalterliche Blockflöten

Bernd Oliver Fröhlich, Giovanni Cantarini, Raitis Grigalis - Tenor

Baptiste Romain - Streichleier, Fiedel, Dudelsack



Die frühesten Textquellen über die Rhetorik und das Rezitieren klassischer Versmaße zum Singen liturgischer Texte finden sich bereits um das Jahr 180 nach Christus. Diese Texte und Gebete sind ein wichtiges Medium für den kultischen, religiösen Gesang und für die Verkündigung und Darlegung sakraler Ausdruckswerte. Die liturgische Musik der römisch-katholischen Kirche im 4.  Jahrhundert verbindet sich mit Ambrosius von Mailand (340 – 397), der in Trier geboren wurde und in Rom studierte. Seine in einfachen metrischen Strukturen gehaltenen Hymnen waren äußerst populär und gaben dem frühen Christentum wichtige musikalische Impulse. Die berühmte Mönchsregel des Hl. Benedikt aus dem 6. Jahrhundert nahm die Ambrosianischen Hymnen in die Stundengebete auf, wo sie bis heute ihren festen Platz haben.



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